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Medizinische Untersuchungen an den Sehern

Interview der Gebetsaktion Wien mit Prof. Pater Andreas Resch, dem Generalkoordinator der medizinischen Untersuchungen an den Sehern am 7. April 1999 in Tirol.

Herr Professor Resch, nach mehrfachen medizinischen Untersuchungen an den Sehern von Medjugorje ist jetzt neuerdings (Anm. im April, Juli und Dezember 1998) eine Untersuchung gestartet worden. War das notwendig?
Ja, die Notwendigkeit hat die Pfarre von Medjugorje gesehen und festgestellt, daß noch einmal eine umfassende Untersuchung durchgeführt werden muß, nachdem schon 1984 eine Untersuchung durch die Franzosen, 1985 durch eine italienische Gruppe erfolgte, die sich aber vor allem auf den meßtechnischen Bereich beschränkte.

Seherin Marija
Seher Ivan

Könnte man aufgrund dieser Untersuchungen auch Schlüsse ziehen, ob es wirklich Erscheinungen gegeben hat?
Es war zunächst einmal die Grundfrage zu stellen: Haben sich diese Seher damals von irgendwelcher Erwartung leiten lassen, wurden sie von Verwandten oder anderen Personen in eine gewisse Hoffnung einer Erscheinung hineingedrängt, haben sie später ihre Aussagen nur aufrecht erhalten, um nicht das Gesicht zu verlieren, d. h. haben sie ihre Aussagen nur deshalb wiederholt, um nicht als Lügner hingestellt zu werden. Haben sie etwa am Anfang überhaupt keine Erlebnisse gehabt, oder hatten sie ein Schlüsselerlebnis, das heute noch nachprüfbar ist? Also es war die Konstanz ihrer Aussagen von heute und von damals nachzuprüfen, zum zweiten die Erlebnistiefe, die sie auch heute zeigen und drittens, ob sie heute als psychisch normal gelten können oder ob diese Situation sie in eine Pathologie hineingetrieben hat, die sie heute zu bewältigen haben; schließlich auch noch, ob diese damals gezeigten physiologischen Reaktionen, sprich Form von Ekstase, heute noch verifizierbar sind.
Vielleicht müßte man noch hinzufügen, wie wir an die Sache herangegangen sind: Das Wichtigste war zunächst einmal ein Gespräch mit den Sehern, um darin ihr Erlebnis vor allem der ersten zehn Tage der Erscheinungen aufzurollen, um zu sehen, was sie erlebt haben, wie sie es erlebt haben und wie dieses Erlebnis auf sie heute noch wirkt. Dieses Gespräch habe ich persönlich geführt. In einer sogenannten persönlichen Anamnese habe ich mit jedem Seher ein bis zwei Stunden gesprochen und zwar einerseits nach einem klaren Fragenschema. Auf der anderen Seite aber ging es mir darum, herauszufinden, was sie erlebt haben und was heute in der Erinnerung noch da ist.
Und hier hat sich nun gezeigt, daß sich die Erinnerung voll auf die ersten Tage konzentriert. Das war das Schlüsselerlebnis und bei diesem Erlebnis ergibt sich ein völliger Gleichklang. Die Seher sind am zweiten und am dritten Tag geradezu hingezogen worden, fast in einem Zustand der Trance sind sie über die Felder gelaufen. Sie mußten da hingehen, hatten während der Vision überhaupt kein Empfinden dafür, was rundherum los war, das heißt, sie haben sich in einem ekstatischen Zustand befunden, in einen Zustand der Entrückung und haben, wie sie sagen, eine Person gesehen. Diese Person war eine Frau mit einem grauen Kleid, einem weißen Schleier, blauen Augen, sehr vornehm im Aussehen. Alle gaben mir die gleiche Beschreibung.
Nach der ausführlichen Befragung gab es eine zweite Untersuchung, um vor allem die aktuelle psychische Situation der Seher abzuklären, d.h. ob wir es mit pathologischen Persönlichkeiten zu tun haben. Es hat sich herausgestellt, daß dies nicht der Fall ist.
Dann sind die sogenannten reinen instrumentellen, experimentellen Überprüfungen der Aussagen, die sie bei der Anamnese gemacht haben, erfolgt und hier wurden einige, nicht alle, in Hypnose versetzt. Die Seher wurden in der Hypnose bis zu ihrer letzten Ekstase zurückgeführt. Und nun hat sich gezeigt, daß mittels Hypnose zwar die Rückführung zu dieser Erinnerung möglich ist, aber es war nicht möglich, den sogenannten ekstatischen Zustand auszulösen. Wir haben z.B. bei Marija zwei Mal den ekstatischen Zustand mit allen instrumentellen Möglichkeiten heutiger Aufzeichnungen der Gehirnwellen usw. gemessen. Und es hat sich gezeigt, daß die Induktion der sogenannten Ekstase, das heißt das Hervorrufen durch Suggestion des ekstatischen Zustandes nicht möglich ist, sondern daß der ekstatische Zustand eine eigene Form hat.
Das ist deshalb von großer Bedeutung, weil vorgeworfen wurde, daß sich die Seher durch Wunschvorstellungen diesen Zustand ausgelöst hätten. Das ist eben nicht möglich. Selbst durch hypnotische Suggestion ist es nicht möglich, den ekstatischen Zustand auszulösen, sondern dieser hat sie überkommen.

Ist diese Untersuchung nicht ein Eingriff in die Intimsphäre zwischen Gott und Mensch?
Natürlich denken wir Wissenschaftler in dem Fall nur, was wir abklären können. Die Frage, ob Gott hier Seine Hand im Spiel hat, die Frage, ob hier Maria erschienen ist oder nicht, ist wissenschaftlich nicht zu ergründen.
Wir können nur sagen, daß die Seher ein so tiefes Erlebnis hatten, daß sie die Gestalt als die Muttergottes bezeichnen, bis auf den heutigen Tag davon vollkommen überzeugt sind und ihr Leben danach ausrichten. Auch wenn sie nach außen nicht in einer besonderen Weise in Erscheinung treten, habe ich bei der Befragung vollkommen klar erkannt, daß sie im Tiefsten von diesem Erlebnis gezeichnet sind und das kann man ihnen nicht nehmen.
Die Frage nach dem Eingriff ist trotzdem berechtigt, nicht so sehr die Frage nach dem Eingriff zwischen Gott und Mensch, sondern in die Personen an sich. Diese Untersuchungen sind für die Personen natürlich eine unendliche Belastung und in gewisser Weise fast eine persönliche Zumutung, denn praktisch werden die Personen psychisch vollkommen "ausgezogen". Hier muß ich aber hinzufügen, daß ich den Sehern gesagt habe, sollten sie das Empfinden haben, daß ihre Würde nur im geringsten angetastet werde, sollen sie es sagen und die Tests würden sofort eingestellt.

Wie war Ihr persönlicher Eindruck von den Sehern?
Ich muß hier offen sagen, daß ich aufgrund meiner Erfahrungen vollkommen skeptisch an die Untersuchungen herangegangen bin.
Bei dem Gespräch mit den Sehern habe ich den Eindruck gewonnen, daß sie mir vollstes Vertrauen schenkten, daß ich in ihr Inneres blicken durfte und in diesem Innersten, das nach außen im Verhalten und im Erscheinungsbild vielleicht gar nicht so auffällt, besteht es eine Gottverbundenheit und ein Pflichtgefühl, die mich beeindruckt haben! Etwa auf die zentrale Frage, ob es für sie ein Fortleben nach dem Tode gibt, war das Erstaunen darüber, daß ich so eine Frage überhaupt stellen konnte, ziemlich groß. Für sie ist das Jenseits aufgrund dieser Erlebnisse geradezu die Wirklichkeit ihres Lebens, so daß diese Frage absolut positiv beantwortet wurde, denn schließlich würde Maria sonst nicht erscheinen.

Könnten die Ergebnisse dieser Untersuchungen Rom veranlassen, die kirchliche Anerkennung der Erscheinungen zu beschleunigen?
Ich habe Herrn Kardinal Ratzinger, dem Präfekten der Glaubenskongregation, der für diese Fragen zuständig ist, persönlich einen Brief geschrieben und ihn eingeladen, als Beobachter zu unserer Schlußzusammenkunft zu kommen. Ich habe daraufhin über den Nuntius in Wien eine Antwort erhalten, worin man sich für diesen Hinweis bedankt und anerkennt, daß wir eine sachliche Untersuchung durchführen, die zur Abklärung dieser Frage der Anerkennung einen Beitrag leisten kann.

Glauben Sie, daß diese Ergebnisse auch in der allgemeinen Öffentlichkeit ein Umdenken bringen könnten?
Wenn wir die Ergebnisse veröffentlichen, ist es so, daß diese nur ein kleiner Kreis von Fachleuten lesen kann. Die Berichte sind sehr wissenschaftlich und nur für den Fachmann verständlich, doch vielleicht darf ich folgendes hinzufügen: Es dürfte wohl so sein, daß es im Laufe der Geschichte, bzw. Kirchengeschichte, eine so eingehende Untersuchung an Sehern noch nie gegeben hat. In diesem Zusammenhang muß ich auch noch hinzufügen, daß von seiten der Pfarre von Medjugorje in keiner Weise irgendein Druck auf uns ausgeübt wurde. Im Gegenteil, wir arbeiteten in völliger Eigenverantwortung dank der Mithilfe einer Gruppe von Fachwissenschaftlern aus den verschiedensten Bereichen der Medizin - wir waren insgesamt 12 Personen - eine Untersuchungsbreite, die normalerweise nicht möglich ist.
Es wird schon heute niemand mehr in der Lage sein, eine solche Untersuchung mit den Sehern durchzuführen, auch deshalb, weil die Seher mehr als die Nase voll haben von diesen langwierigen Befragungen und für sich einmal Ruhe haben wollen. Hatten wir schon etwas Schwierigkeiten, alle in die Untersuchungen einbinden zu können.

Erwachsen für Medjugorje durch diese spezielle Untersuchung der Seher neue Konsequenzen, oder darf Medjugorje "Medjugorje" bleiben?
"Medjugorje" ist eine Frage der religiösen Verantwortung, sowohl für diejenigen, die dort sind, als auch für all die anderen, auch für den kirchlichen Raum, sprich Rom. Seit fast 18 Jahren pilgern Menschen dorthin, an jedem Abend ist die Kirche voll, es sind bei den Meßfeiern auch an gewöhnlichen Tagen 20 bis 40 Priester, die mitfeiern, es kommen verschiedene Bischöfe aus der ganzen Welt, und es stellt sich somit die Frage: Soll man eine solch positive religiöse Gestaltung willkürlich unterbinden? Das dürfte insofern schwierig sein, weil von der wissenschaftlichen Untersuchung her die Echtheit des Phänomens und zwar des Erlebnisses einer außergewöhnlichen Erfahrung abgesichert ist. Außerdem stimmen die Früchte und theologische Schwierigkeiten habe ich keine gesehen.
Herzlichen Dank für das Gespräch!

Quellennachweis: Gebetsaktion Wien

Weitere Informationen zu den medizinischen und wissenschaftlichen Untersuchungen finden Sie hier.