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Vorwort zur Zeitschrift Oase des Friedens von Dr. Christian Stelzer

Es war in der 2000jährigen Kirchengeschichte ein einmaliges Ereignis: Zwei Päpste wurden in Anwesenheit von zwei Päpsten vor eineinhalb Millionen Menschen auf dem Petersplatz und hunderten Millionen vor den Fernseh-Bildschirmen heilig gesprochen.
Persönlich habe ich nie zuvor so viele Menschen sagen gehört: „Ich freue mich, zur Kirche zu gehören!“
Als Papst Franziskus die Heiligsprechungsformel in lateinischer Sprache verlas, breitete sich unter den Gläubigen, von denen viele die ganze Nacht lang auf dem Petersplatz und in der Via della Conciliazione bis hinunter zum Tiber ausgeharrt hatten, ein tiefer Friede aus.
Noch einmal bot sich jenes Bild, das uns im langen Pontifikat von Johannes Paul II. schon zur Gewohnheit geworden war: Wohin er kam, versammelten sich die Gläubigen in großer Zahl. Unvergessen bleibt der Gottesdienst in Manila am 15. Jänner 1995 vor vier Millionen Menschen - die größte bekannte Versammlung in der Geschichte der Menschheit. Und ebenso seine Totenfeier am 8. April 2005 in Rom, die zur größten der Menschheitsgeschichte wurde. Schon damals wurde auf dem Petersplatz in Sprechchöre gerufen: „Santo subito“! Auf Deutsch: „Sprecht ihn sofort heilig“!
Das Pontifikat von Johannes XXIII. endete mit seinem Tod am 3. Juni 1963. Der Papst ging als Papa buono,  („der gute Papst“), in die Geschichte ein. Der wegen seines Alters von 77 Jahren und seiner großen Frömmigkeit bei den Medien vorerst als Kompromisslösung und „Übergangspapst“ bezeichnete Pontifex „bewies eine feinfühlige Folgsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist“ (vgl. Predigt von Papst Franziskus bei der Heiligsprechung) und  leitete durch die Einberufung des Konzils das „Aggiornamento“, die Aktualisierung der katholischen Kirche und Annäherung an die Erfordernisse der Zeit. „Macht die Fenster der Kirche weit auf“, ging sein Motto wie ein Weckruf durch die katholische Welt: Eine Kirche, in der das Antlitz Gottes in der Geschichte aufleuchte und sein Fingerzeig sichtbar werde.
Schon nach seiner Wahl beeindruckte Johannes XXIII. die Weltöffentlichkeit, als er sich mit Bezug auf seinen Taufnamen Giuseppe mit „Ich bin Josef, euer Bruder“ vorstellte. Johannes XXIII. leitete im alltäglichen Leben  Veränderungen ein, die als historisch galten: Er schaffte den Fußkuss bei Privataudienzen ab, erhöhte in einer seiner ersten Amtshandlungen die Gehälter der Angestellten und ging im Oktober 1962, eine Woche vor der Eröffnung des Konzils, auf seine einzige Reise, die ihn nach Loretto und Assisi führte - es war die erste Reise eines Papstes seit Pius IX.
„Sie waren Priester, Bischöfe und Päpste des 20. Jahrhunderts. Dessen Tragödien haben sie erfahren, sind davon aber nicht überwältigt worden.“, predigte Papst Franziskus am Ersten Sonntag nach Ostern. „Stärker war in ihnen Gott; stärker war der Glaube an Jesus Christus, den Erlöser des Menschen und Herrn der Geschichte; stärker war in ihnen die Barmherzigkeit Gottes, die sich in diesen fünf Wunden offenbart; stärker war die mütterliche Liebe Marias.“
Johannes Paul II. war der Papst aus „einem fernen Land“, der erste Slawe auf dem Stuhl Petri. Als er nach  seiner Wahl auf der Loggia des Petersdoms etwas schüchtern meinte, „Ich weiß nicht, ob ich mich in eurer - ich meine, in unserer Sprache gut ausdrücken kann. Wenn ich Fehler machen sollte, müsst ihr mich verbessern!“ , eroberte er die Herzen der Menschen im Sturm. Sein Aufruf an die Jugend beim ersten Weltjugendtreffen in Rom 1984: „Öffnet die Tore dem Erlöser“, drang bis an die Enden der Erde.  Die 104 Pastoralreisen, in denen er 127 Länder besuchte, trugen ihm den Spitznamen „Eiliger Vater“ ein. Sein Hinknien und  Küssen des Bodens, wenn er ein Land zum ersten Mal betrat, zeigten seine Ehrerbietung den Menschen gegenüber. Die Anziehungskraft Johannes Paul II. war bis zuletzt rätselhaft. Studien wurden in Auftrag gegeben, um sie zu erforschen. Bis heute gibt es nur eine Antwort: Johannes Paul II. schöpfte sein tiefes Gottvertrauen aus dem    immer währenden Gebet. Es gab ihm die Gewissheit, dass er an Gottes Werk Anteil haben darf. Unvergessen sind seine bestätigten Worte über Medjugorje: „Ich bin mit jedem verbunden, der dort betet und der von dort den Ruf zum Gebet bekommt. Heute begreifen wir diesen Aufruf besser.“ Und: „Im Gebet gehe ich jeden Morgen nach Medjugorje.“
In dieser OASE wollen wir unsere Freude über dieses einzigartige Ereignis zum Ausdruck bringen. Marija Stelzer berichtet über ihre Reise zur Heiligsprechung der Päpste nach Rom und Msgr. Ernst Pöschl lädt uns zur Betrachtung der Worte der Gospa ein.
Der Bericht von Alfred Heck bezeugt, wie Gott uns heute durch das Gebet führt.

Viel Freude am Lesen wünscht Ihnen
Christian Stelzer

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