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Empfang der Bischöfe Bosnien-Herzegowinas

Drei Monate vor seinem Ein-Tages-Besuch in Sarajevo im Juni hat Papst Franziskus die Bischöfe Bosnien-Herzegowinas zu Einheit aufgerufen. An diesem Montag empfing er den Episkopat des Balkan-Landes auf Ad Limina-Besuch im Vatikan. Er kenne die historischen Entwicklungen, die zu den Spaltungen in zwei Landesteile geführt hätten, sagte Franziskus: „Und doch, ihr seid eine einzige Körperschaft: Ihr seid die katholischen Bischöfe in Einheit mit dem Nachfolger Petri, an einem Ort der Grenze.“ Die Einheit untereinander „soll mit Entschiedenheit auf allen Ebenen vorangebracht werden, über individuelle Besonderheiten hinausgehend“.
Vor allem rief Franziskus die insgesamt sechs Bischöfe Bosnien-Herzegowinas dazu auf, in ihrer multikulturellen und multi-ethnischen Gesellschaft „Väter für alle“ zu sein. „Jede christliche Gemeinschaft weiß, dass sie dazu gerufen ist, sich zu öffnen und über die Welt im Licht des Evangeliums nachzudenken; sie kann sich nicht in sich selbst und in ihre wenngleich edlen Traditionen einschließen!“
Angesichts der massiven Auswanderung vor allem junger Menschen aus dem Balkan-Land riet Franziskus den Bischöfen zu einem „seelsorglich-erzieherischen“ Einsatz, „damit sich Gewissen herausbilden, die dazu bereit sind, als Protagonisten und Verantwortliche des Wiederaufbaus und des Wachstums eures Landes in der Heimat zu bleiben“. Man dürfe sich vom Heimatland nicht bloß Geschenke erwarten. Mancherorts seien da in der Gesellschaft noch „alte materialistische Verkrustungen“ spürbar, formulierte der Papst.

Wir sind eine Kirche der Fastenzeit
Die demographische Frage ist zentral für die Kirche in Bosnien-Herzewogina; das bestätigte uns im Interview einer der Bischöfe auf Ad Limina-Besuch, der Militärbischof Tomo Vuksic. Er beklagt vor allem, dass geflohene oder vertriebene Kroaten - in der Regel Katholiken - nicht mehr in den serbischen Landesteil zurückkehren.
„Viele Flüchtlinge, die Opfer des Jugoslawien-Krieges waren, sind nicht zurückgekommen. Verschiedene politische, soziale, örtliche und internationale Kräfte, die eigentlich für eine Möglichkeit der Rückkehr hätten sorgen müssen, haben das leider nicht getan, und so konnten viele Flüchtlinge von damals nicht zurückkehren. Die katholische Kirche hat auf diese Weise nach dem Krieg mehrere Hunderttausend Gläubige verloren, durch Mangel an Arbeitsplätzen und wirtschaftlichen Perspektiven. Und heute sehen wir eine neue, langsame Auswanderung vor allem junger Leute Richtung Westen.“
Für die Katholiken ist der bevorstehende Papstbesuch in Sarajevo eine große Sache, unterstreicht der Militärbischof.
„Der Papst wird eine Kirche finden, die ihn liebt, eine Kirche, die wirklich glücklich ist über diesen Besuch. Wir sind eine leidende Kirche, und das seit Jahrhunderten. Erst unter dem Osmainschen Reich, dann in Jugoslawien unter dem Kommunismus, danach im Jugoslawienkrieg, als wir noch mehr gelitten haben. Wir sind eine Kirche der Fastenzeit. Unsere Aufgabe ist es, in dieser Lage Zeugnis abzulegen.“

Quellennachweis: Radio Vatikan 16.03.2015