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Parolin: Bosnien-Herzegowina ist das „Jerusalem von Europa“

„Papst Franziskus geht an den Ort, den Papst Johannes Paul II. als ‚Jerusalem von Europa‘ definiert hat, als Pilger des Dialogs und des Friedens.“ In einem Interview mit dem vatikanischen Fernsehsender CTV hofft Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, dass die Papstreise nach Bosnien-Hezegowina ein wichtiger Beitrag für Frieden und Wiedervereinigung in dem Balkanland sein wird - einem Land, das - vom Bosnienkrieg gezeichnet - auch heute noch die Wunden der ethnischen Säuberungen an sich trägt. Mehr als 200.000 Menschen verloren im Krieg ihr Leben, Zehntausende mussten flüchten.
Die katholischen Gläubigen ermutigen, Positivität verbreiten, Freundschaft, Brüderlichkeit und den Friedensdialog fördern: Das seien die drei Hauptpunkte der Papstreise für kommenden Samstag. „Friede sei mit Euch“, das Motto der achten Auslandspapstreise, definiert in den Augen des Vatikan-Chefdiplomaten in aller Kürze den umfassenden Sinn der Reise. „Die Konsequenzen des Krieges haben sich vor allem auf die katholische Gemeinschaft ausgewirkt, die sich praktisch von den 90er Jahren bis heute halbiert hat, von 800.000 auf 400.000 Gläubige. In einigen Pfarren bleiben nur noch wenige Familien übrig, vor allem ältere Menschen. Heute verzeichnet man außerdem das Phänomen der Auswanderung der jungen Menschen, die wegen der Perspektivlosigkeit und der hohen Arbeitslosigkeit das Land verlassen. Sie sind auf der Suche nach besseren Möglichkeiten woanders.“
Der Kardinalstaatssekretär betont die politische Komplexität des Landes, die sich auch aus der Koexistenz der drei konstitutiven Ethnien ergebe: der bosnischen, der serbischen und der kroatischen. Die drei seien auf einer strukturellen Ebene das Zusammenspiel von drei Wirklichkeiten – der Föderation Bosnien und Herzegowina, der Republik Srpska und des Distrikts Brcko. Parolin unterstreicht die Notwendigkeit, eine Gleichheit zwischen den unterschiedlichen Parteien, Ethnien und Identitäten zu schaffen.
„Mit der Hilfe der internationalen Gemeinschaft, die im Land vertreten ist, könnte man das natürliche Streben von Bosnien-Herzegowina fördern, sich in die EU zu integrieren. So könnte das Land auch ein Beispiel für die vielen Situationen in dieser Welt werden, wo man es nicht schafft, die Unterschiede im Land zu akzeptieren. Die Unterschiede, die Konfliktmotive werden, Kontraste, Gegenpole, anstatt eine gegenseitige Bereicherung darzustellen.“

Quellennachweis: Radio Vatikan
04. Juni 2015