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Lass Dich von Jesus beim Namen nennen

„Lass Dich von Jesus beim Namen nennen"

Osterpredigt von Pater Marinko Sakota, Ortspfarrer von Medjugorje.

In der folgenden Osterpredigt nennt Pater Marinko Sakota einige Ursachen, warum die Jünger den Herrn am Ostermorgen nicht erkennen und zeigt einige Wegweisungen auf, wie es uns heute gelingen kann, Ihm zu begegnen.


Durch die Aussage der Evangelisten können wir die Ursachen sehen, wieso die Menschen den Auferstandenen nicht erkennen. Wir werden einige erwähnen, aber das Wichtigste ist das Anschauen Jesu.

Haben wir unser eigenes Bild von Jesus?
Die erste Ursache, warum die Jünger den Herrn nicht erkennen ist, weil sie ihre Erwartungen, Gedanken und Vorstellungen von Jesus haben. Nicht so, wie Er in sich ist, sondern sie haben ihr Bild von Ihm. Sie sehen, wie Er eigentlich - nach ihrer Sichtweise - sein und wirken müsste. Petrus sieht Jesus aus seiner Perspektive als denjenigen, der nicht leiden darf. Johannes, Jakobus und deren Mutter haben ebenfalls ihre Erwartungen und die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus sagten: Wir haben gehofft, dass Er derjenige ist, der Israel erlösen wird. Sie haben erwartet und gehofft, dass Jesus der Erlöser des Volkes Israel sein wird. Aber Er war anders, und deshalb waren sie enttäuscht und deshalb konnten sie Ihn nicht erkennen.
Vielleicht bist auch du enttäuscht von Jesus, von Gott? Prüfe Dein Bild, das du von Jesus und von Gott hast. Siehst du Jesus oder hast du dein eigenes Bild von Ihm? Hast du Erwartungen, oder erwartest du etwas von Jesus? Was für Erwartungen sind es?

Suchen wir Jesus in der Vergangenheit?
Die zweite Ursache, weshalb die Menschen den Auferstandenen Jesus nicht erkennen ist: Er ist nicht dieser Jesus aus der Vergangenheit, sondern jetzt in der Gegenwart. Maria Magdalena kann Ihn nicht erkennen, denn Sie sucht Ihn in der Vergangenheit - im Grab- und das Grab ist die Vergangenheit, der Tod. Maria denkt an die zwei Tage zuvor, als Er im Grab war, wo sie Ihn verlassen hat. Und sie denkt: Jesus ist immer noch da. Aber das ist verkehrt. Jesus ist nicht in der Vergangenheit sondern in der Gegenwart. Erst, als Er sie beim Namen ruft, werden ihre Augen geöffnet und sie versteht, das Jesus lebendig ist. Nun die Frage an Dich: Vielleicht suchst du Jesus auch irgendwo in der Vergangenheit, und vielleicht erkennst du Ihn jetzt deshalb nicht. Denn du verstehst nicht, dass Jesus jetzt lebt, dass Er lebendig ist.


Jesus ist an dem Ort, wo wir leben!
Die dritte Ursache: Jesus ist nicht irgendwo anders, an einem anderen Ort. Er ist dort, wo du lebst, wo du arbeitest. Jesus ist nicht in Jerusalem, und wir haben gehört, was im Evangelium zu Maria aus Magdala und den anderen Frauen gesagt wurde: "Geht zu den Jüngern und Petrus und sagt: "Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr Ihn sehen!"
Ihr, die ihr hier in der Pfarrei Medjugorje lebt, Jesus ist hier, und nicht woanders. Jesus ist in deiner Familie, an deinem Arbeitsplatz, unter den Menschen, denen du jeden Tag begegnest, bei der Hl. Messe in der Kirche.
Und du Pilger, wisse: Jesus ist jetzt hier in der Kirche und dann, wenn du nach Hause kommst, möge dir auch bewusst sein, dass Er dort ist, wo du lebst. Und jetzt die Frage an dich: Vielleicht ist es bei dir auch so, dass du Jesus nicht erkennst. Du denkst, dass Er vielleicht an einem anderen Ort ist, z.B. in Jerusalem. Vielleicht kommst du auch zur Hl. Messe - aber du bist doch irgendwie abwesend, du bist mit deinen Gedanken woanders - aber Jesus ist hier.

Suche Jesus ganz sehnsüchtig!
Hören wir nun einige Wegweisungen, damit wir Jesus den Auferstandenen erkennen. Wir lesen das Ganze aus dem Evangelium heraus. Die erste Wegweisung: Suche Jesus, ganz sehnsüchtig. Vielleicht wirst du manchmal den falschen Weg einschlagen, sowie Maria aus Magdala, Petrus, Johannes und andere Jünger. Aber: Suche Ihn! Wenn du Freude am Glauben hast, dann mach weiter und suche Ihn. Wenn du enttäuscht von den Menschen und verzweifelt bist, suche Ihn. Höre nie auf, Ihn zu suchen, geh niemals alleine - und löse niemals allein deine Probleme. Wenn du traurig bist, geh niemals allein, sondern geh' immer zusammen mit Jesus, sowie die zwei Emmausjünger. Sag Ihm alles, was du fühlst und spürst und höre dann, was Er dir sagt. Bitte Ihn um einen Ratschlag und höre dann Seine Antwort.

Jesus ist immer anders als du denkst!
Die zweite Wegweisung: Jesus ist immer anders, als du denkst. Wir müssen diesen Mut haben, uns auch umzudrehen. Als Jesus den Namen Maria rief, drehte sie sich um und rief: "Rabuni!" Sich umzudrehen bedeutet, sich von den eigenen Gedanken und Vorstellungen zu lösen, denn es ist ein Hindernis, wenn wir darauf schauen. Aber Jesus ruft dich bei deinem Namen und das heißt, nach dieser Hl. Messe die Gedanken und Bilder, so wie du dir Jesus vorstellst zu lassen. Öffne dich Ihm. Jesus ist nicht irgendwo in der Vergangenheit, Er ist nicht in der Zukunft, Er ist in der Gegenwart! Er ist nicht an einem anderen Ort - Er ist jetzt hier! Wiederhole diese Worte, wie Maria: "Rabuni, Meister, Lehrer, Jesus, ich liebe Dich! Ich glaube an Dich! Danke Jesus! Mein Herr und mein Gott!"

Schau Jesus an!
Die dritte Wegweisung: Versuche Jesus anzuschauen, das Brot des Lebens. Jemand hat ganz mutig gesagt: Damit wir Wissen bekommen, müssen wir lernen, aber damit wir die Weisheit erreichen, müssen wir Einiges anschauen. Zum Beispiel, dass wir beim Brotbrechen Jesus betrachten - tun wir dies? Jesus betrachten, so wie es die zwei Jünger getan haben auf dem Weg nach Emmaus.
Schau Jesus bei der Anbetung so an, wie der hl. Johannes Vianney, der Pfr. von Ars es getan hat: "Ich schaue Ihn an und Er schaut mich an!" Damit wir bei der Anbetung nicht nur denken, sondern Jesus anschauen. Schau Ihn an und versuche nicht zu denken. Möge dies Dir auch bewusst werden, wenn dann Gedanken kommen, die dich wegbringen wollen - dann komme wieder zurück. Du musst nichts anderes tun, als in Liebe zu schauen, so wie es der hl. Johannes vom Kreuz gesagt hat.

Lerne Jesus zuzuhören
Die vierte Wegweisung: Lerne, Jesus zuzuhören. Möge Dir bewusst werden, dass Jesus mit Dir zusammen auf Deinem Weg schreitet - von Jerusalem nach Emmaus - Er geht mit Dir. Höre, lausche hin, was Er Dir sagt.

Jesus kommt zu euch!
Die fünfte Wegweisung: Seid zusammen im Gebet wie die zwölf Jünger mit Ihm: in deiner Familie. Oder zieh Dich auch in die Einsamkeit zurück und möge Dir bewusst werden, dass Jesus zu euch kommt. Der Friede sei mit euch. Betet zum Hl. Geist und möge es euch bewusst sein, dass Jesus mit euch ist.

Erkenne Jesus in deinem Alltag
Die sechste Wegweisung: Jesus ist einfach - so wie Maria von Magdala Ihn gesehen hat: Er ist ein Gärtner - so dachte sie, aber es war wahrhaftig Jesus. Entdecke und erkenne wahrhaftig Jesus in deinem Alltag. Vielleicht sagst du auch, das ist ein Kranker, ein Gefangener, ein Mensch, der mir nicht gefällt. Ein Nachbar oder ein Fremder. Öffne die Augen! Das ist Jesus in dieser Person. Vielleicht werden wir uns am Ende auch fragen: Herr, wann haben wir Dich gesehen? Als Du durstig warst, hungrig warst oder im Gefängnis.
Ein Priester hat eine Stadt der Kinder gegründet, damit er den Kindern helfen kann und später auch den Verurteilten. Und als die Polizei mit einigen Menschen nicht zurechtkam, hat der Priester sie zu sich genommen. Darunter ein Achtjähriger, der Vater und Mutter getötet hat. Mehrmals hat er die Banken beraubt und die Polizei wusste nicht mehr, was sie mit ihm tun sollte, da auch ein Heim die Kinder erst mit 12 Jahren aufnahm. Dann kamen sie zu dem Priester und fragten: "Nehmen Sie diesen Jungen zu sich?", "Ja natürlich," sagte der Priester, "bringen sie ihn zu mir!" Einige Jahre später hat dieser junge Mann die Geschichte geschrieben: "Ich erinnere mich, als ich im Zug zur Stadt der Kinder war, begleitet von einem Polizisten, habe ich gedacht. Jetzt gehe ich zu diesem Priester und wenn er mir sagt 'Ich liebe Dich', werde ich ihn töten. Als er dann in diese Stadt der Kinder kam und an die Türe klopfte, sagte der Priester: 'Komm herein!'. Als der Junge eintrat fragte der Priester: 'Wie heißt du denn?' 'Dave', antwortete der Junge. 'Herzlich Willkommen hier in der Stadt der Kinder', sagte der Priester. 'Wir haben dich schon erwartet! Möchtest du dich ein wenig umschauen? Weißt du, dass hier alle arbeiten, um zu leben? Und vielleicht wirst du hier auch etwas finden, um zu arbeiten. Aber zuallererst erhole dich, dann schau dir alles an - wir sehen uns später!'. Diese wenigen Sekunden haben das Leben dieses Jungen geändert und wissen Sie weshalb? "Das erste Mal in meinem Leben habe ich einen Menschen gesehen, der nicht gesagt hat, dass er mich liebt, aber ich habe es gespürt, dadurch, dass er mir sagte: "Du bist nicht schlecht, du bist gut!" Und dieser junge Mann wurde wahrhaftig zu einem guten Menschen. Den Priester haben sie dann gefragt, wie es zu einem solchen Erfolg kommt. Er hat darauf nicht geantwortet, aber sein Prinzip war, dass es so etwas wie böse Kindernicht gibt. Er hat das Gute in den Kindern gesehen, und er hat dieses Gute in allen Kindern, die er angenommen hat, gefördert. Und so hat er das Gute und die Güte um sich herum geschaffen.

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Ostern ist dieser Moment, indem Dir die Augen geöffnet werden und Du wahrhaft siehst, so wie Maria von Magdala. Du schreist auf und sagst: "Rabuni, Meister, Jesus!" Aber damit in dir Ostern geschieht, erwidere zuallererst den Ruf Jesu, denn gerade hier und jetzt, ruft dich Jesus beim Namen: "Maria!" Amen.

Quellennachweis: Zeitschrift "medjugorje aktuell" Heft 93/2013