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Johannes Paul der Große

Als am 16. Oktober 1978 weißer Rauch aus dem Kamin der Sixtinischen Kapelle aufstieg, ahnte wohl noch niemand, was für eine glückliche Wahl die Kardinäle getroffen hatten. Weltweite Überraschung. Ein Papst aus Polen. Nach 455 Jahren der erste Nicht-Italiener auf dem Stuhl Petri.
Familienangehörige konnten sich nicht mehr mit Karol Wojtyla freuen. Schon im Alter von acht Jahren verlor er seine Mutter, seine Schwester Olga war bereits bald nach der Geburt gestorben und sein einziger Bruder, Arzt in Bielitz, starb, als Karol noch keine zwölf Jahre alt war. Die Kindheit verbrachte er allein mit dem Vater; als Karol 21 Jahre alt war, starb auch er.
Doch Karol fand Halt im Glauben. Er arbeitete während des Krieges im Steinbruch und verwarf dort seinen Berufswunsch, Schauspieler zu werden, um seiner Berufung zum Priesteramt zu folgen. Schon 1958 wurde er Weihbischof in Krakau, 1964 dort Erzbischof und 1967 Kardinal. In seiner Heimat war er ein überaus beliebter Seelsorger, mal fuhr er mit Jugendgruppen in die Berge, mal campte er mit ihnen, mal saß er im Kajak oder spielte Gitarre. Doch Kreuz, Klappaltar, Brevier und Rosenkranz hatte der Bischof immer im Gepäck.
Mutig forderte Karol Wojtyla von der kommunistischen Regierung die Einhaltung der Menschenrechte, die Aufhebung der Zensur und Religionsfreiheit.
„Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“, rief der neue Papst den Massen am Tag seiner Wahl auf dem Petersplatz zu. Und es sollte sein Programm für die nächsten 27 Jahre bleiben: für alle Menschen die Tore aufzureißen, damit Christus Platz gewinnen kann.
Johannes Paul II. unternahm über 100 Pastoral reisen ins Ausland, veröffentlichte 14 Enzykliken und begründete die Weltjugendtage.
Zu Beginn seines Pontifkats zählte die weltweite Gemeinschaft der Katholiken 750 Millionen Gläubige. Bei seinem Tod waren es weit über eine Milliarde. Er sprach mehr Menschen heilig als alle Päpste des 20. Jahrhunderts vor ihm zusammen. Er wurde zum Auslöser einer „Revolution im Osten“, an deren Ende der Zusammenbruch des Kommunismus stand. Mit seinem entschiedenen Kampf gegen eine „Kultur des Todes“ und seinem Bekenntnis zur Wahrheit des Glaubens geriet er aber auch in die Schusslinie von Kirchengegnern. Als großer marianischer Papst begründete er die Verehrung der göttlichen Barmherzigkeit und führte die lichtreichen Geheimnisse des Rosenkranzes ein. Tiefer marianisch geprägt hatte ihn das Attentat am 13. Mai 1981 auf dem Petersplatz, das ihm fast das Leben gekostet hätte. Dieser Tag war der Erscheinungstag der Muttergottes in Fatima. Ihr verdankte er sein Leben. Nach seiner Genesung besuchte er den portugiesischen Wallfahrtsort mehrmals.
Eines Tages sah eine der Schwestern, die in der päpstlichen Wohnung arbeitete, den müde wirkenden Papst Johannes Paul II. und gestand ihm, dass sie „sehr besorgt über seine Heiligkeit“ sei. „Ich bin auch besorgt über meine Heiligkeit“, antwortete er sofort mit einem Lächeln. Nun, nachdem er am 27. April heiliggesprochen wird, können wir sagen, dass die Sorge unbegründet war.
Schon auf dem Petersplatz beim Gottesdienst zu seiner Beisetzung im Jahr 2005 hatten tausende Gläubige gerufen „Santo subito!“ und forderten damit seine sofortige Heiligsprechung.

Quellennachweis: Zeitschrift "PUR" April 2014

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