Login 
Kreuzwegbetrachtung

Das ist die Stunde unseres Heiles - Eine Kreuzwegbetrachtung

Wie schön und hilfreich ist es für uns, gerade in diesen Tagen den Kreuzweg zu betrachten und so ein Stück des Weges mit Jesus zu gehen und Ihn zu trösten.


1. Station: Jesus wird zum Tod verurteilt
„Ich finde keine Schuld an Ihm", sagte Pilatus und ließ Ihn geißeln. „Ich finde keine Schuld an Ihm", sagte Pilatus, und lieferte ihnen Jesus aus, damit sie Ihn kreuzigten. Pilatus wusste, dass er ungerecht handelte, aber er war feige. „Wenn du Ihn freilässt, bist du kein Freund des Kaisers!", riefen die Juden. Pilatus hat Angst um seine Stellung, um seine Karriere. Er wäscht sich die Hände als Zeichen seiner Unschuld. Aber gerade er hätte die Macht gehabt, Jesus vor den Führern des jüdischen Volkes zu schützen. Er tat es nicht. Jesus aber schaute ihn voll Mitleid und Liebe an.

2. Station: Jesus nimmt das schwere Kreuz auf sich
Jesus kam in diese Welt, um uns die wahre Liebe zu bringen, um uns zu zeigen, was lieben bedeutet. Das hat Ihn das Leben gekostet. Nun kann man die Liebe und das Kreuz nicht mehr voneinander trennen. „Der hat die größte Liebe, der sein Leben für seine Freunde hingibt." Die wahre Liebe ist nicht nur ein Augenblick des Verliebtseins. Die wahre Liebe beginnt dort, wo man bereit ist, sich selber zu vergessen, auf seine eigenen Vorstellungen zu verzichten, das kleine tägliche Opfer zu bringen und so das Kreuz aus Liebe zu Jesus auf sich zu nehmen.

3. Station: Jesus fällt zum ersten Mal unter der Last des Kreuzes
Als Jesus noch ein kleines Kind war und an der Hand der Muttergottes die ersten Schritte machte, war sie immer da, um über Ihn zu wachen. Wie gern hätte sie Ihm auch jetzt geholfen! Äußerlich war dies nicht möglich, aber in ihrem Herzen war Maria mit Jesus aufs Innigste vereint, und ihre Liebe gab Ihm Kraft. Jesus wusste, wie schwach der Mensch ist und wie oft er fällt. Deshalb nahm er diesen Schmerz auf sich. Wenn wir am Boden sind und uns die Enttäuschung über unsere Erbärmlichkeit die Kraft nimmt, ist die Mutter immer bei uns. Sie hilft uns, unsere Augen zu Gott zu erheben und um Verzeihung zu bitten. Auch deshalb hat er uns Maria geschenkt.

4. Station: Jesus begegnet Seiner Mutter
Die Muttergottes spricht: Wie sehr haben wir uns geliebt - mein Sohn und ich - wie viele schöne Begegnungen waren uns geschenkt! Unsere Begegnung hier auf dem Kreuzweg war ein Abschied. Wir mussten uns äußerlich trennen, aber im Herzen blieben wir vollkommen eins. Wenn du dich einmal von Menschen, die dir teuer sind, verabschieden musst, von der Umgebung, die dir vertraut ist oder von Dingen, die dir kostbar sind, so komm und sprich dein JA hinein in unser gemeinsames JA. Dann werden wir dich tragen und dir die Kraft geben, jeden Abschied anzunehmen, weil wir auf dieser Welt nichts auf ewig besitzen. Denk daran, dass du dich in deinem Leben von vielen Dingen loslösen musst, aber im Himmel einmal alles und alle ganz neu und noch viel herrlicher zurückbekommen wirst.

5. Station: Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen.
Simon von Cyrene spricht: Ich war gerade auf dem Heimweg, müde, vom Morgengrauen an auf dem Feld. Als ich in die Stadt hineinkam, zog laut schreiend eine Menschenmenge mit einem Verurteilten vorbei. Ich wollte am Rand des Weges warten, bis sie vorüber sind, als die Soldaten plötzlich zu mir traten und mir befahlen, dem Verurteilten das Kreuz tragen zu helfen. „Warum ich?", fragte ich unwillig. „Was werden die Leute von mir denken? Ich bin doch unschuldig." Aber sie zwangen mich. Und so nahm ich die Bürde des Kreuzes auf mich. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Jesus mir mit dem Kreuz Seine Liebe anbietet, dass das Kreuztragen ein Privileg ist. Erst später habe ich verstanden, dass mir eine große Gnade zuteil geworden war, ja, dass jedes Kreuz eine Gnade ist.

6. Station: Veronika reicht Jesus das Schweißtuch
Veronika spricht: Seht, was für ein göttlicher Lohn für eine Tat der Liebe! Was meinem Herrn in Seinem schmerzhaften Leiden Trost brachte und Seinen Schmerz linderte, war nicht nur die Tat meiner Liebe, sondern auch, dass Er mich beschenken konnte. Schenken und sich verschenken ist Seine größte Freude. Sein heiliges, mit Blut überströmtes Angesicht war nun nicht nur in dieses Schweißtuch eingeprägt, sondern vor allem in meine Seele, in mein Herz, als ob Er mir dabei hätte sagen wollen: Der innigste Liebesbrief, den ich dir und jedem einzelnen von euch geschrieben habe, wurde geschrieben mit meinem kostbaren Blut auf das weiße Linnen des Schweißtuches und auf meinen reinen eucharistischen Leib.
Vergiss ihn nicht und lies ihn jeden Tag mit lebendigem Glauben.

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter der Last des Kreuzes
Nachdem Jesus mit fünf Broten und zwei Fischen durch ein Wunder 5000 Männer, viele Frauen und Kinder ernährt hatte, sagten einige aus der Menschenmenge: „Das ist wahrhaft der Prophet, der in die Welt kommen soll." Und sie wollten Ihn zum König machen. Aber einen König mit einer Dornenkrone auf dem Kopf, einen verwundeten und geschlagenen, im Staub der Erde liegenden König wollte niemand mehr.
Wieder stehst Du auf - geschwächt und voller Schmerz. Du gehst weiter, damit Du uns das Tor des Himmelreiches aufsperren kannst.

8. Station: Jesus tröstet die weinenden Frauen von Jerusalem
Die Frauen von Jerusalem sprechen: Jesus näherte sich uns. Als Er unsere Tränen sah und unser Weinen hörte, hielt Er an und richtete sein Wort an uns: „Weint nicht über mich, sondern weint über euch und eure Kinder." Wie schrecklich erfüllten sich diese Worte! Jerusalem wurde erobert, kein Stein blieb auf dem anderen. Bei dieser Begegnung legte der Herr uns das Schicksal und die Zukunft des Volkes in die Hände. Wenn wir uns damals wirklich bekehrt und unsere Sünden beweint hätten, hätte Gott auch dieses Unheil abwenden können. Ihr Menschen des dritten Jahrtausends, lernt von unserer mangelnden Wachsamkeit! Seht ihr nicht, wie Satan sich bemüht, nicht nur unser Volk, sondern die ganze Erde zu vernichten! Bekehrt eure Herzen zu Gott, damit ihr mit eurem Leben Licht in diese Welt bringt und Katastrophen, Unheil und Krieg abwendet!

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter der Last des Kreuzes
Wieder ein schmerzhafter Fall. Soviel Leiden - hat das alles wirklich einen Sinn? Schon in Gethsemane stellte Satan Jesus die Sinnlosigkeit Seiner Leiden vor Augen: „Die Menschen wollen Dein Leiden nicht, sie brauchen Deine Liebe nicht", versuchte er Ihm einzuflüstern. Aber Jesus schaute auf den Vater, auf dich und auf mich und erhob sich wieder. Wahrhaftig, wie groß, wie rein, wie selbstlos war Seine Liebe zu uns, dass Er für uns litt, als wir die Erlösung noch gar nicht wollten. Welch eine Liebe!

10. Station: Jesus wird seiner Kleider beraubt
P. Pio sagt: „Nach der Seele ist der Leib das Kostbarste, das Schönste und das Heiligste, das Gott erschuf. Durch die Sünde wurde unser Leib krank und schwach, aber er ist Tempel des Heiligen Geistes. Deshalb hat Gott uns das natürliche Schamgefühl gegeben, um uns vor der Entwürdigung des Leibes zu schützen. Was alles musste Jesus für uns erleiden! Der menschliche Leib sollte so schön, so unbefleckt und rein wie die Hostie sein. Von seinem Aussehen hängt die Schönheit des Menschen nicht ab. Schön macht ihn nur die Reinheit.

11. Station: Jesus wird ans Kreuz genagelt
Der rechte Schächer spricht: Ich heiße Dismas. Ich war ein Verbrecher und fühlte keine Reue über mein Leben. Mit mir kreuzigte man noch einen Mörder und in der Mitte zwischen uns den Propheten aus Galiläa, Jesus. Dieser ertrug alles schweigend, obwohl sie Ihn mehr quälten als uns. Als Er begann, für Seine Peiniger um Verzeihung zu bitten, verspürte ich in meinem Herzen einen durchdringenden Schmerz. Plötzlich wusste ich, dass Er unschuldig ist und nicht - wie wir - für Seine eigenen Vergehen leidet. Dann kam Seine Mutter zum Kreuz und ich fühlte, dass sie für mich betete. Plötzlich verstand ich: Er kann meine Seele retten! Er ist wirklich ein König, so wie es auf der Tafel über Ihn geschrieben stand. Und so sagte ich zu Ihm: „Gedenke meiner, wenn Du in Dein Reich kommst!"- „Noch heute", antwortete Jesus, „wirst du mit mir im Paradies sein." Und sein Blick gab mir die Kraft, in der Hoffnung zu sterben, gerettet zu sein.

12. Station: Jesus stirbt für uns am Kreuz
Die letzten Worte Jesu sind Worte der Liebe an uns und an seinen himmlischen Vater. Er denkt nicht an sich. Bis zum letzten Atemzug ist Er der gute Hirte. Dem Soldaten Malchus heilt Er das Ohr, die Reue des rechten Schächers belohnt Er mit dem Himmel. Er verzeiht allen und entschuldigt sie, dass sie nicht wüssten, dass Er Gottes Sohn ist. Und dann gibt Er uns noch das Kostbarste, das Ihm noch geblieben ist: Seine Mutter. Er verzichtet auch auf diesen letzten Trost. Ganz verlassen, aber mit Vertrauen, legt Er Seine Seele in die Hände des Vaters zurück. Das ist die Stunde unseres Heiles, die Stunde der Göttlichen Barmherzigkeit.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß seiner Mutter gelegt
Du, Maria, hast uns Jesus geschenkt, und wir haben Ihn gemartert und Ihn dir tot zurückgegeben. Kein Wort des Vorwurfes kam über deine Lippen. Nicht nur, dass du uns verziehen hast, du nahmst uns im Schmerz als deine Kinder an. Gott wollte nicht, dass du zusammen mit deinem geliebten Sohn stirbst. Die Apostel haben dich jetzt mehr als zuvor gebraucht. Du hast die Kirche getragen, die aus der durchbohrten Seite Jesu hervorgegangen ist. Dir, o Mutter, wollen wir die ganze Kirche anvertrauen, die auch heute so sehr ein Mutterherz braucht. Es liegt an uns, welchen Platz wir dir in unserem Herzen geben.
Schmerzensmutter, Dein bin ich, für Zeit und Ewigkeit, durch Dich und mit Dir will ich für immer ganz Jesus gehören.

14. Station: Jesus wird ins Grab gelegt
Der römische Soldat spricht: Ich bin ein römischer Soldat. Ich hatte diese Hinrichtungen nie gern. Nicht weil mir die Verurteilten leid getan hätten – sie waren doch Verbrecher – sondern weil es mir unangenehm war, in ihrer Nähe zu sein. Aber wie Jesus von Nazareth starb, das hat mich tief bewegt, Seine Geduld, Seine Hingabe und der Friede, mit dem Er alle diese schrecklichen Qualen ertrug. Und Sein Blick - ich konnte ihn mir nicht erklären, bis ich die Worte hörte, die er ausrief: „Vater, vergib ihnen!" So etwas habe ich noch nie erlebt, dass jemand vom Kreuz herab nicht flucht, sondern vergibt. Unter seinem Kreuz stand Seine Mutter. Der Blick auf sie lehrte mich, Mitleid zu haben. Als ich auf Befehl des Hauptmannes hin Seine Seite durchbohrte, überfluteten mich Blut und Wasser aus Seinem Herzen. Da musste ich ganz verwandelt und von seiner Unschuld überzeugt ausrufen: Dieser Mensch war wahrhaft Gottes Sohn! Dann legten Ihn seine Freunde in ein Grab. Doch es war das Tor zum Leben. Er hat uns den Himmel aufgesperrt, und Er wartet: auf dich und auf mich.

Quellennachweis: Zeitschrift "medjugorje aktuell" Nr. 81