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Gebet am Abend - Erlösung und Dank

Gedanken von Pater Slavko bei einem Medjugorjeseminar

Wir sind in der Schule Mariens, und Maria ist – so hat es sich gezeigt – wirklich eine sehr praktische Lehrerin, eine sehr konkrete Lehrerin. Sie spricht nicht viel über Theorie, sie führt ein. Und wenn wir etwas erst einmal versucht haben, können wir es auch besser verstehen.
Wenn wir die Einladungen Mariens ernst nehmen wollen, sollten wir am Morgen und am Abend beten, und auch während des Tages.

WAS HEISST „ERLÖSUNGSGEBET“?

Das Abendgebet soll nicht nur ein Dankgebet, sondern auch ein Erlösungsgebet sein. Wir leben in dieser Welt, so wie sie ist, und mit den Menschen, so wie sie sind. Die Menschen müssen aber auch mit uns leben, so wie wir sind. Und wir wissen, dass laut Heiliger Schrift (vgl. Spr. 24,16) auch der Gerechte jeden Tag siebenmal fällt. Und wenn man nicht gerecht ist, dann sicherlich vierzehnmal. Jeder Fehler und jede Schwäche aber – auch wenn niemand davon weiß, weil es in unserem Herzen verborgen ist – hat eine Ausstrahlung nach außen. Wenn wir froh sind, strahlen wir Freude aus. Wenn wir traurig sind, dann Trauer. Wenn wir ärgerlich sind, dann Ärger. Auch wenn wir nichts tun und solche Gefühle nur in unserem Herzen tragen, wirkt sich das auf die anderen aus.
Wenn wir weiterdenken, an unsere Worte und unser Werke, dann können wir, ohne uns selbst schwarz zu machen, sagen: Mit unserem Verhalten stiften wir jeden Tag ein wenig Unheil, wenn nicht sogar viel. Und jedesmal, wenn wir Unheil gestiftet haben, bleibt ein Teil davon auch in uns. Wenn ich zum Beispiel jemanden angeschrien habe und so meinen Ärger losgeworden bin, so bleibt doch etwas von diesem Ärger auch in mir, zumindest wie eine Wunde. Und beim anderen ebenso. Und auf diese Weise tragen wir bei zur Sünde der Welt.
Im Abendgebet begegnen wir Gott und bitten Ihn um Erlösung. Wir sagen Ihm genau, wie es uns heute ergangen ist und wo Wunden zurückgeblieben sind. Wir tragen den ganzen „Schmutz“, alle die Sünden, einfach vor Ihn hin. Wir sollen in unser Beten auch unsere Mitmenschen einschließen und für sie um Erlösung bitten.
Das ist so, wie wenn man sich das Gesicht oder die Hände wäscht. So können wir dann hoffen, dass uns auch ein guter Schlaf geschenkt wird. Denken Sie zum Beispiel an die Situation in den Familien, wenn im Fernsehen Filme angeschaut werden, in denen Kriege gezeigt werden, Aggressionen, Gewalttaten…. Wenn man ständig schlafen geht, ohne innerlich zur Ruhe gefunden zu haben, zum Frieden mit Gott und mit sich selbst, so ist das der sicherste Weg, um eines Tages ein „unmöglicher“ Mensch zu werden; unmöglich für sich selbst und für die anderen.
Stellen wir uns unser Bewusstsein wie ein Gefäß vor, in dem sich jeden Tag vieles, was uns nicht unbedingt hilft, ansammelt: Wenn wir all das länger in uns lassen, wird aus unserem Unterbewusstsein  viel Gefährliches hochkommen. Dies kann auch zu Schäden an unserer Gesundheit führen.

DURCH DAS DANKEN DAS GUTE ERKENNEN

Die andere Dimension beim Abendgebet ist die Danksagung. „Dank sagen“ heißt, auch das Gute, das ich getan habe zu sehen. Wenn wir nur das Negative sehen, tun wir uns selbst und den anderen Unrecht, und auch Gott. Denn Gott wirkt durch uns auch Gutes. Wenn wir das Gute nicht sehen, laufen wir Gefahr, den Mut zu verlieren für unseren Alltag, für die Arbeit mit den Menschen und für die Menschen. Man darf, ohne dass man deshalb die Demut verliert, ganz persönlich danken für das Gute, das jeder von uns – Du und ich – tun durfte. Und wenn wir uns hundertmal geärgert haben und das vor Gott hingetragen haben, so dürfen wir trotzdem auch an eine Situation denken, in der wir vielleicht zu jemandem geduldig und liebevoll gewesen sind. Danken wir dafür! Wenn wir das nicht tun, laufen wir wirklich Gefahr, Christen mit schwarzen Gefühlen zu bleiben, die nie eine Freude erfahren, und die dann auch sehr schwer den Sinn ihres Alltags und Ihres Lebens entdecken können.
Undankbarkeit ist eine der schlimmsten Untugenden, denn vieles andere ist damit verbunden. Vielleicht ist es unser Hochmut oder unser Egoismus, was uns stört, um danken zu können. Nicht danken zu können ist vielleicht auch Zeichen dafür, nicht denken zu können. Dieses „Danken" und „Denken“ liegt sicher nicht zufällig auch vom Wortlaut her ganz nahe beisammen. Denken auf die richtige Weise, mit dem Bewusstsein: „Ich bin auch heute ein Instrument gewesen, und ich  durfte Gutes tun!“ Und diesen Dank darf ich dann an Gott weitergeben, der mich verwendet hat. Und natürlich sollen wir auch für all das Gute danken, das ER uns gibt – für die Menschen, denen wir begegnen durften und auch für ganz konkrete Dinge, die wir erhalten haben.

GEBET NICHT NUR AM ABEND

Wenn wir jeden Abend so beten, bewirkt das auch eine Umkehr der Geschichte – unserer Lebensgeschichte und auch der Menschheitsgeschichte. Denn es hat, glaube ich, alles mit einer Undankbarkeit angefangen, mit einem Vergessen, was Gott dem Menschen gegeben hat. Denken wir an die erste Versuchung und an den ersten Sündenfall: hätte der Mensch in jenem Moment nicht das, was ihm Gott schon alles gegeben hat, aus der Sicht verloren, so hätte er keine Zeit für ein Gespräch mit der Versuchung gehabt. Aber er war in jenem Moment blind für all das, was ihm schon gegeben worden war, und so ist er der Versuchung erlegen.
Es ist sehr wichtig zu danken und auch um die Gnade des Dankens zu bitten, denn mit dem Danken ist auch der Friede sehr tief verbunden -  der Friede in der Familie und der Friede in der Welt. Wieviel Ärger und wieviel Trauer bliebe zum Beispiel den Eltern erspart, wenn die Kinder den Mut hätten, jeden Tag ein wenig für all das, was die Eltern für sie tun, zu danken.
Aber ich möchte nicht, dass wir jetzt übertreiben; es geht nicht um die Zahl wie oft man „danke schön“ sagt, sondern es geht um jene innere Haltung, die tief verbunden ist mit der Demut und mit der Einsicht, was Gott an uns und für uns tut.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir – wenn wir in Mariens Schule bleiben – das nicht verstehen. Und ebenso kann ich mir nicht vorstellen, dass Maria einen Tag beendet hätte, ohne zu danken. Sie war sich dessen bewusst, dass der Allmächtige Großes an ihr getan hat (vgl. Lk 1,49). Sie hat sicherlich gedankt! Und sie sagt nicht zufällig oder einfach „nur so“ in jeder ihrer Botschaften: „Danke, dass ihr meinem Ruf gefolgt seid!“ Auch in der Botschaft von 25. Februar 1988, bedankte sie sich zweimal. Sie ist eine dankbare Mutter. Sie dankt nicht nur für das, was wir schon getan haben, sondern sie dankt, weil sie hofft, dass wir es eines Tages noch tun werden.
Nun könnte es sein, dass wir sagen: „Am Morgen habe ich keine Zeit, während des Tages habe ich keine Zeit. ich bete am Abend!“  Ich erinnere mich gut, wie einmal jemand sagte: „Ich habe mir vorgenommen, täglich alle drei Rosenkränze zu beten. Ich bete immer am Abend, und manchmal bin ich müde und zerstreut. Was soll ich tun?“
Ich sagte: „Bitte, das erste, was du tun solltest: Nicht alle drei Rosenkränze am Abend beten! Es wäre wirklich ein Wunder, wenn du sie alle Drei – nach der ganzen Arbeit des Tages – gesammelt beten könntest. Was würdest du sagen, wenn jemand sagt:  „Ich habe das Frühstück, das Mittag- und Abendessen für den Abend aufgehoben. Aber ich war dann schon beim Frühstück so satt, dass die anderen zwei Mahlzeiten übriggeblieben sind.“ Es ist klar, was man antworten würde. Es ist nicht gesund, es  so zu machen.
Mit dem Gebet und der Seele ist es ebenso. Es müssen nicht lange Gebete sein, aber unser ganzer Tag – morgens, abends und auch tagsüber – sollte doch ein ständiger Kontakt mit Gott sein.

Gebet am Morgen

Siehe auch "Gebet am Morgen".

Quellennachweis

Quellennachweis: Gebetsaktion Wien  2/1988