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100 Jahre Fatima: Die prophetische Mission ist nicht beendet!

100 Jahre Fatima: Die prophetische Mission ist nicht beendet!

Von Pfr. Erich Maria Fink, Russland

Die katholische Kirche begeht im Mai 2017 das hundertjährige Jubiläum der Marienerscheinungen von Fatima. Dazu wird immer wieder, wie man gut verstehen kann, eine Aussage zitiert, die Papst Benedikt XVI. bei seiner Predigt am 13. Mai 2010 in Fatima gemacht hat: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet ist, der irrt sich.“ Fatima ist mehr als ein vergangenes Ereignis. Die Fatimabotschaft hat an Aktualität nichts verloren. Papst Franziskus wird am 13. Mai 2017 nach Fatima pilgern, um die Bedeutung der Marienerscheinungen vor 100 Jahren zu unterstreichen. Warum ist Fatima heute noch wichtig? Was haben uns die Ereignisse von damals zu sagen?

Das Geheimnis von Fatima
Am 13. Juli 1917 vertraute die Gottesmutter den drei Seherkindern Lucia dos Santos (10), sowie Francisco Marto (9) und Jacinta Marto (7) ein Geheimnis an, das aus drei Teilen besteht. Man spricht dabei auch oft von drei Geheimnissen. Doch ist für das tiefere Verständnis der Fatimabotschaft die Tatsache entscheidend, dass die drei Teile des Geheimnisses innerlich zusammengehören und eine Einheit bilden. Worum geht es?

Zunächst zeigte die Gottesmutter den Kindern die Hölle. Die jungen Seher bekamen einen Eindruck vom schrecklichen Schicksal der Seelen, die ewig verlorengehen. Wie die Kinder später bezeugten, wären sie an Entsetzen gestorben, wenn die Vision auch nur einen Augenblick länger gedauert hätte. Im zweiten Teil des Geheimnisses offenbarte Maria die Gefahren, die der Menschheit durch atheistische Ideologien drohen. Sie warf den Blick auf Russland und kündigte an, dass ein gottloses Regime Kriege und schlimme Verfolgungen der Kirche heraufbeschwören würde. Ganze Nationen könnten vernichtet werden. Und ausdrücklich sprach die Gottesmutter von einem noch schrecklicheren Krieg als dem ersten Weltkrieg, welcher nun bald zu Ende gehe. Der dritte Teil des Geheimnisses, der erst im Jahr 2000, auf eine persönliche Entscheidung des hl. Papstes Johannes Paul II. hin, veröffentlicht wurde, bestand wieder in einer Vision wie schon der erste Teil. Auf symbolische Weise wurde den Kindern kundgetan, dass sich die ganze menschliche Zivilisation am Abgrund der Vernichtung befinde. Johannes Paul II. hatte anlässlich der Publikation die Glaubenskongregation beauftragt, eine Erklärung zu dieser Vision abzugeben. Der damalige Präfekt, Joseph Kardinal Ratzinger, schrieb in dem Dokument, das den einfachen Titel „Die Botschaft von Fatima“ trägt: „Der Engel mit dem Flammenschwert zur Linken der Muttergottes erinnert an ähnliche Bilder der Geheimen Offenbarung. Er stellt die Gerichtsdrohung dar, unter der die Welt steht. Dass sie in einem Flammenmeer verbrennen könnte, erscheint heute keineswegs mehr als bloße Fantasie: Der Mensch selbst hat das Flammenschwert mit seinen Erfindungen bereitgestellt.“ Und die einzelnen Elemente des anschließenden „Bildes“ deutet Kardinal Ratzinger folgendermaßen: „Der Ort des Geschehens wird mit drei Symbolen beschrieben: ein steiler Berg, eine halb in Trümmern liegende große Stadt und schließlich ein gewaltiges Kreuz aus unbehauenen Stücken. Berg und Stadt symbolisieren die Orte der menschlichen Geschichte: Geschichte als mühevollen Aufstieg zur Höhe, Geschichte als Ort menschlichen Bauens und Zusammenlebens, zugleich als Ort der Zerstörungen, in denen der Mensch sein eigenes Werk vernichtet. Die Stadt kann Ort der Gemeinsamkeit und des Fortschritts, aber auch Ort der Gefährdung und der äußersten Bedrohung sein. Auf dem Berg steht das Kreuz Ziel und Orientierungspunkt der Geschichte. Im Kreuz ist die Zerstörung in Rettung umgewandelt; es steht als Zeichen der Not der Geschichte und als Verheißung über ihr.“

Die Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens.
Die drei Teile des Geheimnisses werden durch einen Gedanken miteinander verbunden: Um all das zu verhindern, will der Herr die Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens in der Welt begründen. Dieses Angebot des Himmels bildet den Kern des Geheimnisses. Es durchzieht die düsteren Ankündigungen wie ein helles Licht der Hoffnung. Was der Menschheit droht, stellt kein unausweichliches Schicksal dar. Vielmehr können wir es in dem Maße abwenden, als wir die Wünsche des Himmels erfüllen. Aber warum knüpft Gott die Rettung der Menschheit an diese eine Bedingung? Damit wird das eigentliche Geheimnis von Fatima offenbar, das, wie Sr. Lucia selbst betont hat, nicht in den prophetisch angekündigten Ereignissen besteht, sondern im Unbefleckten Herzen Mariens selbst. Deshalb werden im Geheimnis von Fatima so unterschiedliche Themen miteinander verbunden wie die Hölle, Russland, das Attentat auf den Papst und die globalen Angriffe auf die menschliche Zivilisation. Genau dadurch können wir nämlich begreifen, dass das Unbefleckte Herz Mariens eine universale Stellung im Heilsplan Gottes einnimmt. Johannes Paul II. fasste es mit den Worten zusammen: „Wir müssen erkennen, dass die gesamte Erlösung durch das Herz Mariens geht.“ In unserer geschichtlichen Situation lässt uns Gott die Erfahrung machen, dass ein einzelner Weiheakt durch den Papst, nämlich die Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens durch Papst Pius XII. am 31. Oktober 1942, den Verlauf des II. Weltkriegs mit einem Schlag gewendet und dem Ansinnen der Nationalsozialisten, ein Tausendjähriges Reich zu errichten, ein Ende gesetzt hat. Wir sind Zeugen geworden, wie die Weltweihe an das Unbefleckte Herz Mariens durch Johannes Paul II. am 25. März 1984 und die Ausrufung des Marianischen Jahres 1987/88 ohne Blutvergießen zum Zusammenbruch der kommunistischen Herrschaft im russischen Sowjetreich und ganz Osteuropa geführt hat. Und von dieser geschichtlichen Erfahrung ausgehend, dürfen wir auf die entscheidende Frage der Erlösung überhaupt blicken. „Um die Seelen der Sünder zu retten, die in Gefahr sind, ewig verlorenzugehen, will Gott die Verehrung meines Unbefleckten Herzens einführen“, so sagte Maria selbst. Dadurch berührt die Frage nach der Verehrung des Unbefleckten Herzens Mariens nicht nur den Lauf der Geschichte, sondern das Geheimnis der Erlösung an sich. Fatima ist mit dem vergangenen Jahrhundert nicht einfach abgeschlossen. Gerade im Blick auf den dritten Teil des Geheimnisses gilt, was Kardinal Ratzinger als Papst Benedikt XVI. am 13. Mai 2010 in Fatima betont hat: „Wer glaubt, dass die prophetische Mission Fatimas beendet ist, der irrt sich.“ Die aktuelle Brisanz der Fatimabotschaft besteht darin, dass die gesamte menschliche Zivilisation vom Verderben bedroht ist. Und Gott hat nach Seinem Ratschluss die Rettung an das Unbefleckte Herz Mariens gebunden. Er möchte, dass wir in dieser entscheidenden Stunde der Menschheitsgeschichte Seine Hilfe durch dieses Herz in Empfang nehmen und dadurch erkennen, was Maria für Ihn selbst bedeutet.

Sühnekommunion am Herz-Mariä Samstag
Die Fatimabotschaft fordert uns dazu auf, dem Unbefleckten Herzen Mariens, besonders jeden ersten Samstag im Monat, eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Dazu gehören die Beichte und die sog. „Sühnekommunion“. Dass wir die heilige Kommunion für andere Menschen aufopfern können, ist uns nicht fremd. So versteht man die „Sühnekommunion“ gewöhnlich in dem Sinne, dass wir diesen Akt der Aufopferung für die Bekehrung und Rettung der Sünder vollziehen. Doch in Fatima wird ein spezieller Akzent gesetzt. Das Unbefleckte Herz Mariens werde von den Menschen unsäglich geschmäht und beleidigt. Und für diese Sünden verlange Gott eine Wiedergutmachung und zwar in der Form der „Sühnekommunion“. Das Opfer Christi ist die einzige Sühne, welche die Sünden der Menschen hinwegnehmen kann. Daran bekommen wir in der Hl. Messe und insbesondere durch die Hl. Kommunion Anteil. Wenn Gott die „Sühnekommunion“ verlangt, um die Zurückweisung der mütterlichen Liebe Mariens wiedergutzumachen, zeigt Er uns, wie sehr Er sich selbst mit Maria und ihrem Herzen identifiziert. Wer sie beleidigt, beleidigt unmittelbar den Herrn selbst. Mit dem Jubiläum „100 Jahre Fatima“ begehen wir in diesem Jahr auch das Gedenken an die Reformation vor 500 Jahren. Wir dürfen mit großer Freude den Glauben der protestantischen Gemeinschaften an Christus als Herrn und Erlöser anerkennen, doch darf uns nicht gleichgültig lassen, wie Maria und ihre mütterliche Mitwirkung am Erlösungswerk aus der Theologie und dem Gebetsleben der Gemeinschaften der Reformation ausgeschlossen werden. Im Licht Fatimas begreifen wir, wie diese Zurückweisung das Herz Mariens und damit Gott selbst trifft.

Der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens
Die Fatimabotschaft erschöpft sich jedoch nicht im Gedanken der Sühne zur Abwendung von Heimsuchungen. Sie eröffnet uns eine heilsgeschichtliche Perspektive: „Am Ende wird mein Unbeflecktes Herz siegen!“ Und dieser Triumph, so deutete es Johannes Paul II., ebnet den Weg für eine „neue Ankunft des Herrn in der Gnade.“In diesem Licht verstehen wir auch den Rosenkranz, der zum Herz-Mariä-Samstag gehört und eine zentrale Rolle in der Fatimabotschaft spielt. Die Gottesmutter hat in allen sechs Erscheinungen dazu aufgerufen, jeden Tag den Rosenkranz zu beten. Wenn wir das „Ave Maria“ sprechen, begleiten wir gleichsam Gott auf Seinem Weg in die Welt, angefangen von Seinem Eintritt in den Schoß Mariens und dem Besuch bei Elisabeth bis hin zum Anbruch dieser „neuen Zeit.“ Wie Maria in Fatima eine Zeit des Friedens unter den Völkern verheißt, so hat auch Johannes Paul II. diese neue Zeit, die aus der Reinigung und den Heimsuchungen unserer Tage geboren wird, als „neue Zivilisation der Liebe“, als „neues Missionszeitalter“, als „neues Pfingsten“, als umfassende Erneuerung der Kirche verstanden. Die in Fatima angekündigte „Bekehrung Russlands“ dürfen wir nicht nur als Bannung einer Gefahr verstehen, sondern als Schlüssel zur Wiederherstellung der Einheit zwischen Ost- und Westkirche, zur Wiederfindung der „christlichen Seele“ Europas. Fatima ist aktueller denn je. Aber ohne uns kann der Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens nicht kommen. Von unserer Hingabe und Weihe hängt der Sieg ab.

Quelle: medjugorje aktuell, Heft 109