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Ich bin gekommen um zu dienen!

Von Miroslav Bustruc

In der Karwoche, die die wesentlichen Ereignisse aus dem Leben Jesu beinhaltet und die mit dem Palmsonntag beginnt, erinnern wir uns daran, was die Menschen Jesus an diesem Tag bereitet haben. Sie feierten Ihn, erwiesen Ihm die Ehre, sie nahmen Ihn als Führer an, aber das, was darauf folgte, hatte keine Verbindung zu dieser Begeisterung, im Gegenteil.
Das Kerngeschehen, das wir am Karfreitag feiern, ist der Zeitpunkt, da Jesus sich bis zum Ende für die Menschen hingibt, was in Seinem Grundsatz zum Ausdruck kommt: Ich bin nicht gekommen, um mich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen. Dass Er den Jüngern die Füße gewaschen hat, ist Symbol für den Dienst an uns Menschen, ein Auftrag, den wir fortsetzen sollen. Der Lehrer unterweist Seine Schüler durch Sein Beispiel, Er deckt ihnen auf, dass Er der Weg ist, auf dem man gehen soll, das Vorbild, dem wir uns annähern sollten. In der Kraft des Hl. Geistes hat Er das angekündigt, was vom physischen Plan her, in diesen Tagen, mit Ihm geschehen würde. Wir wissen, dass das folgt, was Judas getan hat und das ist der Verrat. Offensichtlich drehen sich die Pläne des Judas und sein Denken darum, wer der Retter ist und auf welche Art er mitwirken könnte, dass man Ihn dem Tod ausliefert, weil Jesus Mühsal und Leid annimmt, weil Er es auf sich nimmt, der zu sein, der Seine Attraktivität in den Augen der Massen verloren hat.
Das Kreuz ist Zeichen der Rettung geworden
Die Menschen rufen Jesus, dass Er wieder dieselben Wunder tut, die Er schon getan hat und welche Er zu tun aufgehört hat, aber nur, um am Holz des Kreuzes auf wunderbare Weise auszuhalten. Das Kreuz, das ein Symbol des Fluches war, ist zum Zeichen und zum Symbol der Rettung geworden, des Segens und des Lebens. Deshalb ruft uns der Karfreitag die Tatsache ins Bewusstsein, dass jeder Karfreitag das Kreuz, Leid und Pein, ähnlich einem Selbstmord, ist, ohne Auferstehung, aber Auferstehung, Ostern ohne Karfreitag ist eine Selbsttäuschung. Der Friede, der der Beisetzung seines Körpers im Grab folgte, der Friede des Karsamstags ruft die Tatsache unseres Übergangs aus dieser Welt, unseres Liegens im Grab in unser Bewusstsein. Aber nach geheimnisvollem Plan bedeutet das Mitsterben mit Christus das Sterben all unserer Werte, die uns töten, wenn wir sie nicht erkennen oder uns nicht von ihnen abwenden wollen. Wenn wir sie dem absoluten Guten zurechnen können, wenn wir verstehen, auf sie wegen Gott zu verzichten, wenn wir dem Verzicht wegen Gott einen Sinn geben, dann wird uns alles kein Hindernis für die Begegnung mit Gott werden.
Wenn wir das annehmen, was Jesus für uns getan hat, wenn wir diese Liebe annehmen, die am Holz des Kreuzes ihren Höhepunkt erreichte, als Er mit Liebe und Vergebung Seine Feinde, mit denen Er konfrontiert war, überhäufte, gibt es uns Hoffnung und Ansporn, dass auch wir so handeln können, weil wir neue Menschen werden wollen. Wir wollen, dass der Verzicht der Fastenzeit Früchte bringt, unsere Umwandlung, unser neues Leben hier und jetzt, so dass das Paradies nicht erst nach dem Tod beginnt, und so, dass das echte christliche Leben nicht nach dem physischen, sondern nach dem geistlichen Sterben folgt. Der neue Mensch wird jetzt geboren, der neue Adam und die neue Eva, der neue Christ.

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Die Jünger waren durch das leere Grab herausgefordert, aber ihnen wurde gesagt: "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier!" Nur sein Körper ist tot, ins Grab gelegt, aber zusammen mit diesem begrabenen Leib sind auch alle unsere Toten begraben. Begraben ist der Atheismus des Leids, des sinnlosen Lebens, die Ohnmacht der Kommunikation der Menschen untereinander und mit Gott. Deshalb ist Ostern der Sieg des Lebens über den Tod, des Lebendigen über alles Tote und alles Sterben. Deshalb ist Ostern die Sicherheit der Fortsetzung des Lebens nach dem Tod. Wegen der Auferstehung Jesu wird es uns klar, dass der Tod nicht ein Endpunkt ist, sondern ein Einschnitt und dass das Leben in einer Form weiterbesteht, in seiner Ewigkeit.

Wir können nicht schweigen, über das was wir gesehen und gehört haben!
Erinnern wir uns an die beiden Jünger auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus: die Hoffnung verloren, enttäuscht, bereit zu dem zurückzukehren, womit sie beschäftigt waren, bevor sie Jesus kennen gelernt hatten. In diese ihre Enttäuschung kommt der Unbekannte, der sich ihnen anschließt. Deshalb könnt ihr auf die Frage, ob wir allein auf dem Weg sind, selbst antworten, denn Er ist der, der mitgeht, aber auch der, der mitleidet, der sie sehr gut versteht. Er lässt es zu, dass das ganze Gift ihrer Enttäuschung aus ihnen spricht, das ganze Gift der falschen Erwartung in Richtung auf den Messias und die Art der Erlösung. Deshalb gehen ihnen in dem Moment, als sie Ihn erkennen, die Augen auf, wenn Er in ihr Herz einzieht. Denn als das Sichtbare für sie aufhörte, in Reichweite zu sein, wurden sie Zeugen. Sie können nicht mehr schweigen, sie müssen über den sprechen, den sie gesehen haben, gehört, den ihr Hände berührt haben. Das ist Jesus aus Nazareth, der zu uns Menschen herabgestiegen ist, dass es für uns wünschenswerter wird, menschlicher zu leben. Lasst euch nicht von falschen Hoffnungen trügen, lasst es zu, dass alles was in euch sterblich ist, stirbt, dass das Leben durch die Auferstehung ins unendliche erblüht und dass ihr es versteht, dass ihr auf geheimnisvolle Weise immer Ostern leben könnt. Ostern ist die Zeit, in der uns klar wird, dass Gott, der Vater, uns unermesslich liebt, alles was Er geschaffen hat. Er hasst nichts, jedem öffnen Er die Tür zur Ewigkeit, die durch die Auferstehung Jesu geöffnet wurde, nach dem Willen des Vaters und in der Kraft des Hl. Geistes.
Deshalb vergesst nicht, wenn ihr den anderen frohe Ostern wünscht, dass unser Alltag Früchte des Vertrauens auf den auferstandenen Herrn hervorbringen soll.

Quellennachweis: Glas Mira 2/2002