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Weil Du uns liebst!

Betrachtung zum Gründonnerstag von Ulli Zengerle

In dieser Betrachtung zum Gründonnerstag wird uns wieder ganz auf`s Neue bewusst, wie sehr Jesus all Sein Leiden aus Liebe zu uns auf sich genommen hat. Möge sie uns eine Hilfe sein zu sehen, dass Jesus alles Leiden kennt, versteht und durchgemacht hat, damit wir Erlösung finden können.
Wir hören das so oft, Jesus: Du bist mit drei Deiner Jünger zum Garten Getsemane gegangen, um dort zu beten. Du hast darum gefleht, dass der Kelch an Dir vorübergehen möge, sofern es Deines Vaters Wille ist. Dann hast Du Deine Jünger dreimal schlafend gefunden. Judas hat Dich verraten, Du wurdest gefangen genommen und gekreuzigt. Dann starbst Du für uns.
Es ist Dein Leidensweg an Deinem letzten Lebenstag. Aber Jesus, wie hast Du empfunden? Was hast Du gedacht, gefühlt, wie sahen Deine Gedanken aus? Nach dem Abendmahl nahmst Du drei der Jünger mit Dir. Mit ihnen bist Du zum Garten Getsemane gegangen. Als ihr den steinigen Weg hinaufgingt, war der Himmel schwarz und selbst in der Luft konnte man die bevorstehenden Ereignisse wahrnehmen.

Bleibet hier - und wachet mit mir...
Jesus, Dein Herz war so zerrissen, es verlangte nach dem Vater, es wollte ausweichen und sich wehren angesichts der Qualen, die es würde erleiden müssen. Und gleichzeitig brannte das Verlangen, Deine Brüder und Schwestern, Deine Töchter und Söhne, Deine Feinde, Freunde und Jünger zu erlösen, für sie den Tod zu besiegen.
An dieser Stelle ließest Du Deine Jünger zurück. „Wartet hier auf mich, bleibt wach und betet." Und Du hast dich auf sie verlassen. Jesus, Du hast so sehr ihre Hilfe gebraucht. Du hattest so schreckliche Ängste. „Herr, Vater, hilf mir!", hat Dein Herz immer aufs Neue gerufen. Aber auch die menschliche Sicherheit, Deine Freunde im Rücken, eine irdische Stütze wolltest Du, denn Du warst auch Mensch.
Weiter oben knietest Du nieder. Deine Augen und Dein Herz, all Deine Gedanken und Dein ganzes Gott-Sein richtete sich zum Himmel: Du erlebtest eine unergründliche Tiefe der Sehnsucht nach dem Schutz, der Geborgenheit und der Hilfe Deines Vaters, in solchem Maße, wie niemals zuvor ein Mensch dies gespürt hatte. Flehend wandtest Du Dich zum Vater: „Bleibe bei mir, Vater!".

Eine Liebe, die Ketten sprengt
Und es wurde Dir wieder aufs neue bewusst, was Du wirst erdulden müssen. Es würden unzählige Schmerzen werden, leibliche und seelische. O Jesus, wie hast Du nur gekämpft und gerungen! Auf der einen Seite diese unendlich große Liebe, welche zu fassen niemals ein Mensch wird im Stande sein können, eine Liebe, die alle Ketten sprengt, alle Abgründe überwindet, alles Böse stürzt, allein aus dem Grund, dass sie existiert. So unendlich tief hast Du Deine Kinder geliebt – und tust es noch – dass Dir das Herz brach mit jedem Moment, den Du von ihnen entfernt warst. Diese unergründliche endlos tiefe, barmherzige und reine Liebe zu jedem einzelnen, diese Liebe allein war der Grund, "ja" zu sagen zur Kehrseite Deines Erlösungsdienstes: "ja" zu sagen zur tiefsten Enttäuschung, zur größten Qual, zu Einsamkeit, Verlassenheit, Demütigung, Schmerzen. "Ja" zu dem nicht enden wollenden Gefühl der schlimmsten Trauer. Ja zu all dem, weil Du uns liebst.

Quellennachweis: Zeitschrift "medjuorje aktuell"