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Fastenzeit - Gott Platz in unserem Leben machen!

Fastenzeit - Gott Platz in unserem Leben machen!

Es ist Fastenzeit. Na klar, das hat sich inzwischen herumgesprochen. Und in der Fastenzeit wird gefastet. Auch klar. Aber worauf?
Aus der evangelischen Kirche stammt die Aktion "7 Wochen ohne"; auf einen Zettel kann man dort ankreuzen, worauf man verzichten möchte: Auf Nikotin, Alkohol, Fernsehen, Auto oder sonstigen Luxus. Worauf verzichten Sie? Oder, wie ich in den letzten Tagen immer wieder höre, "was fasten Sie"?
Werden wir frei für Gott!
"Fasten", das ist allerdings kein Selbstzweck. Es geht in der katholischen Kirche beim Fasten nicht um Selbstbeschränkung, Verzicht oder Selbstüberwindung. Im Grunde auch nicht um "Opfer". Es geht beim Fasten darum, frei zu werden - für Gott. Eigentlich ist die Fastenzeit eine Zeit der Vorbereitung auf Ostern, auf eine religiöse Feier, die die Grundlage unseres Glaubens ist. Da gilt es, Gott Platz zu machen in unserem Leben. Das Ziel einer österlichen Vorbereitungszeit ist die Erneuerung unseres Lebens.
In der Alten Kirche begann mit der Fastenzeit für die neuen Christen die letzte Vorbereitung auf die Taufe, die ihren Platz in der Osternacht hatte. In der Zeit, in der sich die sogenannten Katechumenen auf DAS Ereignis ihres Lebens vorbereiteten, solidarisierte sich die Gemeinde und erneuerte auch ihren Glauben, gingen den Weg der Vorbereitung innerlich mit. Sie ließen sich nochmals wieder auf die vorbereitenden Predigten und Unterweisungen ein, baten nochmals in langen Gebetszeiten und ganzen Gebetsnächten um die Gnade, bei Gott sein zu dürfen.
Neu ausrichten
In der Zeit, in der wir uns von den eingefahrenen Bequemlichkeiten lösen wollen und uns neu auf Gott ausrichten, ist kein Platz für Luxus, Lärm und fettes Essen. Fasten dient also einem Ziel: der Befreiung vom Bösen, dem Gebet, dem Glauben, der Aufmerksamkeit für Gott und den Mitmenschen.
Deshalb haben die Christen auch nicht lange überlegt, "was" sie fasten wollen. "Fasten" ist keine private Willensübung, sondern eine gemeinsame Zeit der Neuordnung. Deshalb kannten die Christen auch schon sehr früh eine "Fastenordnung", also eine gemeinsame Regelung. Eine Tradition, die die katholische Kirche bis heute bewahrt hat. In der katholischen Fastenordnung gibt es deshalb drei Säulen, die für uns alle verpflichtend sind: 1. Das Gebet, 2. das Fasten und der Verzicht und 3. Almosen und Werke der Nächstenliebe.
Gebet
(1) Diese Bußordnung, die keineswegs eine vorkonziliare überholte Tradition ist, sondern noch 1987 von den deutschen Bischöfen für uns alle verpflichtend gemacht worden ist, ermahnt uns zuallererst zum Gebet. Die Fastenzeit wäre keine wirklich Erneuerung unseres Glaubens, wenn wir nicht besonders um ein Gespräch mit Gott bemüht wären.
Fasten
(2) Das Fasten ist etwas anderes als der Verzicht. Mit Fasten ist klipp und klar der Verzicht auf Essen gemeint. Nicht nur auf Süßigkeiten, Alkohol oder Sahnetörtchen. Wer fastet, der sollte nur noch einmal am Tag eine sättigende Mahlzeit zu sich nehmen. Darüber hinaus sind zwar kleine Stärkungen erlaubt - aber eben nichts Sättigendes mehr.
Zum Fasten kommt dann der Verzicht auf persönliche Vorlieben - das ist das, was die "7-Wochen-ohne"-Aktion meint. Das bleibt dann tatsächlich einem jeden selbst überlassen und kann von Person zu Person sehr unterschiedlich sein. Übrigens: Verzichten sollten sie nicht auf etwas, das eine "sündhafte Angewohnheit" ist (z.B. zuviel Fernseh gucken) - sündigen sollen wir niemals, nicht nur in der Fastenzeit.
Almosen
(3) Die dritte Säule ist die Öffnung für die, die Hilfe brauchen. Durch Geldspenden (Almosen) genauso wie durch besondere Zuwendung, Engagement und Zurückstellen der eigenen Pläne zugunsten von Familienmitgliedern oder Freunden.
Es geht also nicht darum, irgendetwas anzukreuzen und zu versuchen, sieben Wochen seinen eigenen Willen zu prüfen - das ist, wenn überhaupt, nur ein kleiner Teil, eine "Fastenzeit light" sozusagen. Außerdem kann das ja so verschieden sein, dass wir darin oft nichts mehr gemeinsam tun. Fastenzeit ist keine Zeit der Einzelkämpfer, keine Zeit der persönlichen Reife und Disziplin. Sie ist eine kirchliche Zeit, eine Zeit der Gemeinde, die sich gemeinschaftlich auf Gott ausrichtet. Es wäre schön, wenn wir wieder zu mehr Gemeinschaft in der Lage wären. Eine Gemeinschaft, die über den Gottesdienst hinausgeht und sich auch im Alltag zeigt. Auf zu Gott! Amen.
von Pfr. Peter van Briel

Quellennachweis: Zeitschrift "medjugorje aktuell" Nr. 97